Stress reduzieren - Menschen mit ADHS, Autismus und Hochsensibilität

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Lesezeit: 23 Minuten

Stress reduzieren – Wirksame Tipps für dich als Mensch mit ADHS, Autismus und Hochsensibilität

Falls du zu den neurodiversen Menschen gehörst, die chronisch überlastet und gestresst sind, dann geht es dir vielleicht auch so, dass du oft gar nicht merkst, wie schlecht es dir eigentlich geht.

Menschen mit ADHS und Autismus werden von Ärzten und Psychologen oft in zwei Kategorien unterteilt, die man auf Englisch als „high-functioning" und „low-functioning" bezeichnet. Gemeint ist damit vor allem, dass die intellektuellen Fähigkeiten bei high-functioning nicht beeinträchtigt sind, sie somit einen durchschnittlichen bis hohen IQ haben und grundsätzlich nicht so wirken, als wären sie „krank" oder gar behindert oder beeinträchtigt.

Im allgemeinen, nicht-medizinischen Sprachgebrauch sind damit auch neurodiverse, atypische Menschen gemeint, deren Symptome als „mild" bewertet werden, weil man es ihnen kaum anmerkt, dass sie „anders" sind. Sie fügen sich also relativ unauffällig in die Gesellschaft ein und fallen meistens nicht auf.

Warum gerade du besonders gefährdet bist

Und was hat das alles jetzt mit Stress zu tun, fragst du dich vielleicht.

Es ist so, dass je „unauffälliger" Betroffene sind, desto weniger wird im Alltag auf sie Rücksicht genommen. Diese Menschen sind in der Regel deutlich belastbarer, als solche, die man als low-functioning bezeichnet. Ihre höhere Belastbarkeit wird dadurch deutlich, dass sie in Schule und Beruf weniger Schwierigkeiten haben, dass sie oft einen stabilen Freundeskreis haben und dass sie irgendwie ihr Leben ziemlich gut „im Griff" haben.

Wenn es um Stress, vor allem um chronischen Stress geht, dann sollten wir zuerst diese Menschen im Blick haben. Denn die weniger belastbaren unter den neurodiversen Menschen, halten sich automatisch von vielen Bereichen der Verantwortung im Leben fern, weil sie spüren, dass es eine sehr starke Belastung für sie wäre. Sie stehen also viel weniger im Risiko, „überlastet" zu werden, weil ihr soziales Umfeld akzeptiert hat, dass sie eben anders und weniger belastbar sind.

Bei den Betroffenen allerdings, die unauffällig sind und oftmals in der Masse verschwinden, sieht die Situation ganz anders aus. Sie wirken, als hätten sie ihr Leben „im Griff" und als wären sie grundsätzlich nicht von irgendwelchen Symptomen betroffen. Bei ihnen scheint alles „nicht so schlimm" zu sein.

Im Grunde bist du aber möglicherweise permanent am Rande deiner Belastbarkeit, da man dir viel mehr zumutet (und du dir selbst auch mehr zumutest), als den low-functioning. Du bist gut darin, deine Beeinträchtigungen geschickt zu verbergen und gleichst deine Schwächen durch sehr viel Einsatz in einem Bereich, der dir leicht fällt, wieder aus, sodass dein Umfeld meistens nicht auf die Idee kommen würde, dass du AD(H)S oder eine Form von Autismus haben könntest. Oft „reichen" auch die Symptome nicht für eine Diagnose. Vor allem bei Autisten sind da sehr oft Frauen betroffen. Oder du gehst gar nicht erst zu einer Diagnose, weil du unsicher bist, ob du wirklich Autismus oder AD(H)S hast und dir oft selber sagst, dass es doch gar nicht so schlimm sei.

Wenn du zu diesen wundervollen Menschen gehörst, die wahre Kämpfer sind und oft diejenigen sind, die sich innerhalb von Familiengefügen um die „schwächeren" Familienmitglieder kümmern, dann soll dieser Artikel dir einige wertvolle Tipps mit auf den Weg geben, wie du bei all der Verantwortung, die du trägst, dich selbst nicht aus dem Blick verlierst.

Wir unterteilen den Artikel in zwei Teile: Tipps, um belastende Faktoren zu minimieren und Tipps, um dein eigenes Wohlbefinden zu stärken.

Tipps um Belastungen zu minimieren

Grenzen setzen

Es ist sehr wichtig für dich, dass du dir bewusst wirst, wie viel Belastung und Verantwortung du verkraften kannst und wo deine Grenzen liegen. An deiner Belastungsgrenze zu kommen ist keine Schwäche. Im Gegenteil, es zeigt, dass du alles gegeben hast, bis zu dem Punkt wo du dann nicht mehr kannst. Niemand muss sich mehr zumuten, als man schaffen kann. Und sein Bestes zu geben ist in jedem Fall genug.

Ein sehr wichtiges Thema sind auch die Grenzen bei der Pflege unserer Kinder. Eltern von autistischen Kindern und/oder Kindern mit AD(H)S sind nicht selten chronisch überlastet.

Wenn du also nicht im Dauerstress enden willst, dann musst du lernen zu erkennen, wo deine Grenzen sind und dann auch für dich selbst einstehen, um deine Grenzen zu wahren. Wie aber kannst du erkennen, wo deine Grenzen liegen? Dafür musst du üben, die Zeichen deines Körpers wahrzunehmen.

Die Zeichen des Körpers wahrnehmen

Dein Körper gibt dir dein ganzes Leben lang Zeichen. Er zeigt dir durch Gefühle und körperliche Signale, welche Situationen dir gut tun und welche nicht. In unserem von Stress geprägten Leben heutzutage verlieren wir oft die Verbindung zu uns selbst und achten gar nicht mehr darauf, wie es uns eigentlich geht. Aber die Zeichen deines Körpers sind immer da und warten darauf, von dir wahrgenommen zu werden.

Wie sieht das dann in der Praxis zum Beispiel aus?

Denke mal darüber nach, wie du dich fühlst, wenn du mit einer Aufgabe betraut wirst oder jemandem aus Familie oder Freundeskreis helfen sollst. Wie ist dein erster Impuls? Wenn du zum Beispiel als erstes eine kleine Abneigung oder einen Widerwillen spürst, dann aber trotzdem immer zusagst und hilfst, dann könnte das ein Hinweis sein, dass dir die Verantwortung eigentlich gerade zu viel ist. Oft helfen wir dann trotzdem, aus verschiedenen Gründen. Die einen helfen immer, weil sie sich gebraucht fühlen wollen, die anderen vielleicht, weil es außer ihnen niemanden gibt, der auch einmal etwas übernehmen könnte.

Andere deutliche körperliche Zeichen von Überlastung sind häufige Kopf- oder Rückenschmerzen, Probleme beim Einschlafen oder häufiges Aufwachen nachts, Dauermüdigkeit, gereizte Stimmung oder auch empfindliche, gereizte Haut.

Wenn du dich selbst vielleicht irgendwo hier wiedererkennst, was kannst du dann tun?

Erleichterungen und Hilfen annehmen

Ein hilfreicher Schritt kann sein, andere Menschen mit ins Boot zu holen. Zusammen schafft man meistens mehr, als alleine. Und wenn viele zusammen etwas anpacken, wird niemand überlastet.

Doch gerade im Bereich von AD(H)S und Autismus fällt es Familien oft schwer, sich helfen zu lassen. Wir haben Angst, stigmatisiert oder ausgegrenzt zu werden und deshalb reden wir nicht gerne darüber, in welchen Bereichen wir Unterstützung brauchen würden.

Ein erster Schritt ist oft eine Diagnose, weil erst dadurch die Türen zu entsprechenden Unterstützungsangeboten geöffnet werden. Wenn du zögerst, eine Diagnose machen zu lassen, weil du Angst vor den möglichen Konsequenzen hast, kann es hilfreich sein, wenn du mit anderen sprichst, die eine Diagnose haben. So kannst du herausfinden, ob sich die Diagnose für sie gelohnt hat, ob sie es wieder so machen würden und welche neue Formen der Unterstützung sie haben, seit der Diagnose.

Professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen

Therapeutische Ansätze

Es gibt verschiedene evidenzbasierte Therapieformen, die dir helfen können:

Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Ursprünglich für die Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt, hat sich die DBT auch bei ADHS als sehr wirksam erwiesen. Das Skills-Training umfasst vier Module: Innere Achtsamkeit, bewusster Umgang mit Gefühlen, Stresstoleranzfertigkeiten und zwischenmenschliche Fertigkeiten. Die DBT kombiniert Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie mit Techniken aus der buddhistischen Meditation und hilft dir, deine Gedanken und Gefühle zu akzeptieren, anstatt Widerstand dagegen zu leisten.

Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT-ADHS): Diese Gruppentherapie fokussiert insbesondere auf die Emotionsregulation und die Fähigkeit zu mentalisieren, d.h. die Fähigkeit, sowohl die eigenen Gefühle, Vorstellungen und Bedürfnisse als auch die der anderen zu lesen und zu kommunizieren.

ADHS-Psychoedukationsgruppe: In vielen Kliniken und Praxen werden Psychoedukationsgruppen angeboten, die über 7 Sitzungen à 100 Minuten gehen und dir ein ganzheitliches Verständnis von ADHS vermitteln sowie Strategien für den Umgang entwickeln.

Ergotherapie

Ergotherapie kann dir als Erwachsene/r mit ADHS oder Autismus wertvolle Unterstützung bieten. Ergotherapeuten arbeiten eng mit dir zusammen, um individuell angepasste Lösungen zu entwickeln, die dir helfen, deine Organisationsfähigkeiten zu verbessern, effektivere Zeitmanagement-Strategien zu erlernen und deine Arbeits- und Lebensumgebung anzupassen, um Ablenkungen zu minimieren.

Die ergotherapeutische Behandlung beginnt mit einer umfassenden Bewertung deiner spezifischen Bedürfnisse und Herausforderungen. Basierend auf dieser Einschätzung erstellen Therapeuten einen maßgeschneiderten Behandlungsplan, der Techniken zur Stressbewältigung, Übungen zur Verbesserung der Konzentration und Aufmerksamkeit sowie Methoden zur Stärkung der exekutiven Funktionen umfasst.

ADHS-Coaching

ADHS-Coaching ist eine weitere Möglichkeit zur Unterstützung. Anders als bei der Psychotherapie werden beim Coaching keine Störungen mit Krankheitswert behandelt. ADHS-Coaching zielt darauf ab, dich bei der Strukturierung deines Alltags und der Erreichung deiner Ziele im privaten oder beruflichen Kontext zu unterstützen. Dabei werden bereits vorhandene Ressourcen bewusstgemacht und gezielt eingesetzt oder neue Strategien und Fähigkeiten erlernt.

Mögliche Themen beim ADHS-Coaching sind: ADHS-Symptome im Alltag erkennen, die Wahrnehmung und Informationsverarbeitung des ADHS-Gehirns verstehen, Prokrastination verstehen und Strategien zum Angehen von Aufgaben entwickeln, Gefühle regulieren sowie die eigenen Bedürfnisse kennenlernen und kommunizieren.

Wenn du vielleicht ein oder zwei Tipps, die bis jetzt erwähnt wurden für dich umsetzen kannst, bist du schon einen großen Schritt weiter. Jetzt kommen noch einige Punkte, die dir dabei helfen können, dein Wohlbefinden zu stärken.

Tipps um dein Wohlbefinden zu stärken

Achtsamkeit und Meditation

Wir haben es oft gehört, dass Meditation wichtig ist und doch ist nicht jeder der „meditative" Typ. Vielleicht fällt dir Meditation schwer. Oder vielleicht fällt es dir vor allem schwer, es zu einer regelmäßigen Routine zu machen. Beim Thema Meditation solltest du dich, meiner Meinung nach, nicht auf eine bestimmte Praxis versteifen. Sei flexibel und mach es so, wie es sich für dich gut anfühlt. Auch einen Moment Stille zu genießen und die Gedanken ein bisschen wandern zu lassen, ist eine Form von Meditation. Genauso, wie dir einen Spaziergang im Wald zu gönnen.

Achtsamkeit speziell für Autismus

Für Menschen mit Autismus wurde ein spezielles Achtsamkeitstraining entwickelt und auf seine Wirksamkeit hin überprüft. Es kann dir helfen, dich weniger überlastet zu fühlen, die Gedanken loszulassen und die eigenen körperlichen Grenzen besser zu spüren. Das Buch „Achtsamkeit für Menschen mit Autismus" von Annelies Spek ist ein praktischer Leitfaden sowohl für Menschen mit Autismus, die selbst Achtsamkeit trainieren möchten, als auch für professionelle Helfer.

Achtsamkeit bei ADHS

Auch bei ADHS kann Achtsamkeit eine Schlüsselrolle spielen. Durch Achtsamkeit kannst du lernen, im Moment präsent zu sein und deine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken und zu bündeln. Dies kann dir helfen, deine sprunghaften Gedanken besser zu kontrollieren und deine Konzentration zu verbessern.

Hilfreiche Meditations-Apps

Meditations-Apps können dir helfen, zu entspannen, Stress abzubauen und deine Konzentration zu verbessern. Empfehlenswert sind beispielsweise:

7Mind: Diese App ist vollständig auf Deutsch verfügbar und bietet Meditationen für fast jede Situation. Zum Einstieg gibt es sieben Grundlagen-Meditationen, darüber hinaus auch Meditations-Kurse zu Themen wie Stress, Glück, Gesundheit, Kreativität oder Beziehung. Mit über 1000 Audio-Einheiten findest du immer das, was du gerade brauchst: Meditationen und SOS-Übungen gegen Stress und Anspannung, Atemübungen und Klänge für tiefe Entspannung sowie Schlafgeschichten zum Einschlafen. Besonders praktisch: Du kannst dir Erinnerungen für Achtsamkeitsübungen schicken lassen, um im Alltag immer wieder deine Aufmerksamkeit zu trainieren. Viele Krankenkassen, wie die BARMER, bieten 7Mind kostenlos an.

Calm: Die App des Jahres 2017 von Apple bietet inzwischen viele Inhalte auf Deutsch. Calm bietet angeleitete Meditationen, Geschichten zum Einschlafen, Atemprogramme, Masterklassen und entspannende Musik. Es werden Meditationssitzungen mit einer Länge von 3, 5, 10, 15, 20 oder 25 Minuten angeboten, sodass du die jeweils perfekte Länge für deine Zeitplanung auswählen kannst. Besonders hochwertig sind die „Sleep Stories", die von bekannten Stimmen wie Schauspieler Sebastian Koch gelesen werden.

Headspace: Auch Headspace ist nun vollständig auf Deutsch verfügbar. Die App bietet über 500 geführte Meditationen, Schlaf-Meditationen, entspannende Klänge und Atemübungen. Studien zeigen, dass Headspace in nur 10 Tagen das Glücksempfinden steigert und Stress reduziert. Mit dem Podcast „Langsam Achtsam" und Übungen von Miriam Junge und Shamsey Oloko bietet Headspace zusätzliche deutschsprachige Inhalte.

Spezielle Apps für Hochsensible

Hochsensibel leicht leben: Diese App wurde speziell für hochsensible Menschen entwickelt und bietet an jedem Wochentag Wissensinhalte über Hochsensibilität, bereichernde Impulse, Elemente zur Stärkung des Stresssystems, praktische Übungen und inspirierenden Coaching-Input. In fünf Modulen werden verschiedene Seminarinhalte vermittelt, die umfassende, grundlegende Veränderungen möglich machen.

Hochsensibel Glücklich: Eine weitere kostenlose App, die hochsensiblen Menschen hilft, die Herausforderungen der Hochsensibilität besser zu bewältigen.

Apps für den ADHS-Alltag

Neben Meditations-Apps gibt es auch spezialisierte Apps, die dir bei der Organisation und Strukturierung des ADHS-Alltags helfen:

Tiimo: Ein visueller Tagesplaner, der speziell für neurodivergente Menschen entwickelt wurde. Die App hilft dir, den Tag zu strukturieren, den Fokus zu behalten und das individuelle Wohlbefinden zu fördern. Mit Funktionen wie einem schnell erfassbaren Zeitstrahl, einem Stimmungs-Tracker und KI-gestützten Checklisten unterstützt Tiimo bei der Planung und Organisation des ADHS-Alltags.

Numo: Eine umfassende ADHS-Management-App, die viele Funktionen in einem Produkt vereint. Sie bietet einen Planer, eine Community sowie Tools zur gezielten Fokussierung wie weißes, braunes und rosa Rauschen und die Erstellung von Emotionskarten. Numo nutzt Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und ist hochgradig anpassbar an individuelle Bedürfnisse.

Shaanty: Diese App unterstützt Menschen mit ADHS dabei, ihren Alltag besser zu organisieren und inneren Stress zu reduzieren. Sie bietet Funktionen wie Aufgabenmanagement, Erinnerungen und Entspannungstechniken.

Forest: Mit dieser App wird Fokus zu einem Spiel. Du pflanzt virtuelle Bäume, während du an Aufgaben arbeitest. Je konzentrierter du bleibst, desto mehr wächst dein Wald – eine perfekte Motivation, um Ablenkungen zu widerstehen.

ORIKO: Eine speziell für erwachsene Menschen mit ADHS entwickelte Therapie-App, die dir helfen kann, deinen Umgang mit ADHS nachhaltig zu verbessern.

Feste Strukturen in deinem Tag und deiner Woche

Gerade wir atypischen Menschen neigen oft zu Chaos, wie du bestimmt auch schon bemerkt hast. Oft merken wir gar nicht, wie sehr uns das Chaos aber belastet, bis wir mehr Struktur rein bringen. Natürlich ist eine gesunde Mischung aus Chaos und Struktur wahrscheinlich am angenehmsten. Aber ich kann dir nur empfehlen, mit ein bisschen mehr Disziplin und Routine zu experimentieren. Das Ziel ist nicht, der total organisierte Supermensch zu werden. Sondern eher, dass du deinen eigenen Wohlfühlpunkt findest, die perfekte Mischung aus Struktur und Flexibilität, die genau zu dir und deinem Leben passt.

Dazu gehören dann auch einige feste Termine pro Woche, die möglichst immer gleich bleiben. Wie zum Beispiel einen festen Termin für deine Entspannung.

Entspannungszeit als festen Termin einplanen

Wahrscheinlich hast du deine Prioritäten bis jetzt so gesetzt, dass zuerst deine Arbeit und deine privaten Verpflichtungen kommen. Und wenn dann mal ein bisschen Zeit übrig bleibt, dann versuchst du zu entspannen.

Spiele doch mal ein bisschen mit deinen wöchentlichen Terminen und schau, ob es nicht einen Weg gibt, eine bestimmte Zeit am Tag oder in der Woche fest als Zeit zum Entspannen einzuplanen. Du wirst merken, dass du für deine Verpflichtungen mehr Energie hast, wenn du weißt, dass du immer auch Zeit für eine Entspannungspause eingeplant hast.

Praktische Entspannungstechniken für Hochsensible

Für hochsensible Menschen sind effektive Stressbewältigungsstrategien besonders wichtig, da sie Reize intensiver wahrnehmen und verarbeiten.

Atemtechniken: Am Anfang reicht es aus, wenn du zum Beispiel bei einem Spaziergang einfach einmal auf deine Atmung achtest. Achte bewusst auf deine Atmung und versuche an nichts anderes zu denken. Atme durch die Nase ein, damit die Luft durch die Nasenschleimhäute angewärmt und befeuchtet wird und atme durch den Mund wieder aus. Versuche doppelt so viel Zeit für das Ausatmen wie für das Einatmen zu brauchen.

Progressive Muskelentspannung: Diese nach Jacobson entwickelte Technik hilft dir, körperliche Anspannung bewusst wahrzunehmen und zu lösen.

Bodyscan: Bei dieser Achtsamkeitstechnik wanderst du mit deiner Aufmerksamkeit durch deinen Körper und nimmst verschiedene Körperregionen bewusst wahr.

Yoga: Yoga kann besonders für hochsensible Menschen hilfreich sein, da es das Nervensystem beruhigt, indem es den Fokus auf die Atmung und den Körper lenkt. Yoga fördert die Achtsamkeit und hilft dir, im gegenwärtigen Moment zu sein und deinen Körper und Geist bewusst wahrzunehmen.

Empfehlenswerte Bücher

Für Hochsensibilität:

Die Kraft des Fühlens: Hochsensibilität erkennen und positiv gestalten" von Ilse Sand: Dieses Buch greift das Thema behutsam auf und beschreibt zahlreiche neue, im Alltag erprobte Vorschläge, die hochsensiblen Menschen das Leben leichter machen.

Hochsensibilität verstehen und wertschätzen" von Ulrike Hensel: Dieses Buch hilft dir, einen guten und ausgeglichenen Umgang mit deiner Hochsensibilität zu entwickeln. Die Autorin informiert kompetent über das Phänomen und seine physiologischen Hintergründe.

Hochsensibilität verstehen – Das Praxisbuch mit 14-Tage-Programm": Mit zahlreichen Praxisübungen und Maßnahmen entfaltest du dein besonderes Potenzial und reduzierst Stressfaktoren im Alltag ganz einfach auf ein Minimum.

Zum Glück bin ich hochsensibel" von Miriam Hummels: In diesem Buch erfährst du, was Hochsensibilität ist und was es mit der Reizreaktion Stress auf sich hat. Du erhältst Tipps, wie du dich in einer stressigen Situation mit einfachen Mitteln Abhilfe schaffen kannst.

Das musikalische Entspannungsbuch für Kinder und Eltern": Dieses Buch bietet praktische Tipps und ansprechende Geschichten für Entspannung in der Familie.

Für ADHS und Autismus:

Dein Workbook gegen Kopfchaos" von Katharina Schön: Dieses Arbeitsbuch ist ein praktischer Alltagshelfer und eine Informationsquelle für neurodivergente Menschen mit AD(H)S, Hochsensibilität oder Autismus. Es liefert konkrete und „neurodivergent-gehirn-gerechte" Strategien, Methoden und Reflexionsaufgaben zu den größten Problemfeldern wie Aufschieberitis, Umgang mit Emotionen und Stress sowie das Erkennen von eigenen Bedürfnissen.

Achtsamkeit für Menschen mit Autismus" von Annelies Spek: Ein praktischer Leitfaden sowohl für Menschen mit Autismus, die selbst Achtsamkeit trainieren möchten, als auch für professionelle Helfer. Das Achtsamkeitstraining wurde speziell für Erwachsene mit Autismus-Spektrum-Störungen entwickelt und auf seine Wirksamkeit hin überprüft.

Neurodiversität meistern" von Zensitively: Dieses E-Book erklärt auf 120 Seiten wissenschaftlich fundiert und leicht verständlich, was neurodivergente Menschen über ihr Nervensystem wissen müssen. Es liefert praxisnahe Strategien zu Hochsensibilität, ADHS und Autismus.

Autismus, ADHS und Tics": Ein umfassendes Buch mit detaillierten Informationen und gut strukturierter Forschung zu diesen Themen.

Feinfühligkeit trifft auf Berufsleben" von Nicole Lindner: Dieser Ratgeber beschreibt die typischen Probleme und Herausforderungen, vor denen viele feinfühlige Menschen im Berufsleben stehen, und zeigt Lösungsmöglichkeiten und praktische Alltagstipps auf.

Elterntraining

Wenn du ein Kind mit ADHS hast, kann ein strukturiertes Elterntraining eine große Hilfe sein:

ETKJ - ADHS-Elterntraining nach Cordula Neuhaus: In diesem Training betrachtet ihr gemeinsam eure individuellen Herausforderungen und die Stärken deines Kindes. Du lernst die Funktionsweise des AD(H)S-Gehirns kennen und verstehst besser, warum dein Kind anders reagiert. Das sorgt für Entlastung und zeigt Wege aus festgefahrenen Situationen.

AOK ADHS-Elterntrainer: Dieser kostenlose Online-Elterntrainer hilft bei typischen Erziehungsproblemen und ist besonders geeignet für unaufmerksame, hyperaktive und impulsive Kinder – mit oder ohne ADHS-Diagnose. Das Konzept hat sich seit vielen Jahren in der Begleitung von ADHS-Familien in der Praxis bewährt und zu einem Standard für Elternschulungen entwickelt.

Positive Affirmationen und Subliminals

Der letzte Punkt ist ein Projekt, das vielen am Herzen liegt. Subliminals sind eine interessante Art zu entspannen und langfristig mehr Wohlbefinden und Positivität in dein Leben zu bringen. Es handelt sich dabei um Audios, die man sich regelmäßig anhört. Auf den ersten Blick hört es sich an wie Entspannungsmusik oder Naturgeräusche. Aber das Besondere sind die positiven Affirmationen, die sozusagen im Audio im Hintergrund versteckt sind. Da man die Affirmationen nicht bewusst wahrnehmen kann, wird dadurch unser Verstand ausgetrickst, der uns oft daran hindert, dass wir positive Gedanken einfach mal für uns annehmen.

Zusammenfassung und Ausblick

Als neurodiverser Mensch mit ADHS, Autismus oder Hochsensibilität stehst du vor besonderen Herausforderungen im Alltag. Der Schlüssel zu einem ausgeglicheneren Leben liegt darin, deine individuellen Grenzen zu erkennen, die Zeichen deines Körpers wahrzunehmen und dir aktiv Hilfe und Unterstützung zu holen.

Die gute Nachricht ist: Es gibt inzwischen viele evidenzbasierte deutschsprachige Unterstützungsangebote – von therapeutischen Ansätzen wie DBT und MBT über Ergotherapie und ADHS-Coaching bis hin zu zahlreichen Apps, Büchern und strukturierten Programmen.

Wichtig ist, dass du experimentierst und herausfindest, was für dich persönlich am besten funktioniert. Nicht jede Methode passt zu jedem Menschen. Sei geduldig mit dir selbst und feiere kleine Fortschritte.

Denke daran: Du musst nicht perfekt sein. Es geht nicht darum, der total organisierte Supermensch zu werden, sondern deinen eigenen Wohlfühlpunkt zu finden – die perfekte Mischung aus Struktur und Flexibilität, die genau zu dir und deinem Leben passt.

Beginne am besten mit einem oder zwei Tipps aus diesem Artikel, die dich besonders ansprechen. Baue sie in deinen Alltag ein und beobachte, was sich verändert. Mit der Zeit kannst du weitere Strategien hinzufügen und so Schritt für Schritt mehr Ruhe und Ausgeglichenheit in dein Leben bringen