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FAQ zur ADHS & Autismus Selbsthilfegruppe in Friedberg & Bad Vilbel - Update: September 2026
Du überlegst, ob unsere Selbsthilfegruppe das Richtige für dich ist?
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Die ADHS & Autismus Selbsthilfegruppe in Bad Vilbel gibt es seit Mai 2025 – und sie entwickelt sich weiter. In diesem Beitrag erzähle ich, wie die Gruppe entstanden ist, was sie von anderen Gruppen unterscheidet und was seit der Gründung neu dazugekommen ist – darunter das Ampelsystem mit Tischkarten, das wir seit März 2026 einsetzen.
Nach meiner ADHS & Autismus Diagnose (2021 und 2022) war mein erster Impuls: Ich muss andere Menschen finden, die das kennen. Menschen, die nicht fragen müssen, wie sich Reizüberflutung anfühlt. Die nicht zweifeln, wenn ich von kleinen Alltagshürden berichte, die nach außen unsichtbar sind.
Also bin ich in Selbsthilfegruppen gegangen. Was ich dort erlebt habe, war gut gemeint – aber es hat nicht gepasst. Nicht für mich. Und vermutlich nicht für viele andere, die in einer ähnlichen Situation sind.
Das Thema fehlte. Die meisten Gruppen hatten entweder ADHS oder Autismus als Schwerpunkt. Die Doppeldiagnose war kein Thema. Dabei ist genau diese Kombination eine eigene Realität, mit eigenen Herausforderungen, eigenen Stärken, und einem Alltag, den man nicht einfach in eine der beiden Schubladen stecken kann.
Der Rahmen hat nicht gepasst. Viele Treffen fanden in Bistros statt – mit Hintergrundmusik, hellem Licht, Stimmengewirr. Orte, die für neurodivergente Menschen schon unter normalen Umständen anstrengend sind. Wer sich auf einen solchen Abend einlässt, gibt bereits bevor das erste Wort fällt, enorm viel Energie aus.
Die Uhrzeit war unrealistisch. Zwischen 19 und 23 Uhr – das ist für viele schlicht zu spät. Wer tagsüber bereits alles gibt, wer sensibel auf Reize reagiert oder einfach einen geregelten Schlafrhythmus braucht, kann um 19 Uhr nicht noch mal von vorne anfangen.
Und dann war da noch die Elterngruppe. Eine Selbsthilfegruppe für Autismus – die sich beim näheren Hinsehen als Gruppe für Eltern ohne eigene Diagnose herausstellte. Ich berichtete von alltäglichen Hürden, von Reizüberflutung, von kleinen Erfolgen und von Strategien, die funktionieren – und welche nicht. Und ich merkte es an den Gesichtern. Die anderen nickten, aber es war nicht echt. Manche fragten nach – mit einem Unterton: „Das kann doch nicht so sein." Andere schwiegen einfach. Das war härter als jede Frage.
Was mir fehlte, war ein Ort für Betroffene. Ein Raum, in dem niemand erklären muss, warum ein einziger Termin den ganzen Tag kosten kann. Ein Raum, in dem niemand erklärt werden muss, warum soziale Situationen Energie kosten – weil das hier alle kennen.
Denn das ist die Realität vieler neurodivergenter Menschen: Es kostet enorm viel, sich auf den Weg zu machen. Und wenn man dann endlich da ist – dann soll da auch etwas sein. Kein Neustart von vorne. Kein oberflächlicher Austausch. Sondern echte Tiefe. Echtes „Ich kenne das." Echtes „Du bist nicht allein."
Die Idee war nicht neu. Schon seit 2022 gibt es unsere digitale Selbsthilfegruppe – ein erster Schritt, der gezeigt hat: Der Bedarf ist da. Die Menschen suchen genau das.
Aber eine Gruppe vor Ort zu gründen – das war nochmal etwas anderes. Die Vorstellung, eine Gruppe zu leiten, hat mich lange abgeschreckt. Das Bild eines Vortrags im Kopf, bei dem einer spricht und alle anderen nur schauen. Dieser Druck, diese Erwartung auf den Schultern – das wollte ich nicht. Als neurodivergenter Mensch weiß ich genau, wie viel das kosten kann. Und ob ich das wirklich tragen kann.
Erst in Gesprächen mit Eva Rabolt von der Selbsthilfekontaktstelle in Bad Vilbel hat sich das geändert. Sie hat mir gezeigt, dass die Ängste, die ich hatte, keine Ausnahme sind, dass viele Gruppengründer genau dasselbe fühlen, und ich damit nicht allein stehe. Sie hat mir aufgezeigt, welche Möglichkeiten es gibt und wie sie mich dabei unterstützen kann. Sie hat mir quasi die Angst genommen. Und war bei den ersten Terminen selbst mit dabei.
Von da an war mir klar: Eine Selbsthilfegruppe ist kein Vortrag. Ich muss nicht performen. Ich muss nicht alles wissen. Und ich muss sie nicht alleine tragen.
Wenn ich das angehe, dann richtig. Mit allem, was ich mir selbst gewünscht hätte.
Genau dafür habe ich im Mai 2025 diese Gruppe gegründet.
Beim Start der Gruppe haben wir geschrieben: „Offenes Konzept ohne feste Gruppenleitung." Das war gut gemeint, jedoch von uns schlecht erklärt.
Was wir damit meinten: Keine Hierarchie. Kein Chef. Kein Lehrer, der vorgibt was besprochen wird. Ein Raum, in dem alle gleichberechtigt sind – einschließlich derjenigen, die die Gruppe organisieren.
Was viele Teilnehmende daraus gelesen haben: Dass es niemanden gibt, an den man sich wenden kann. Dass unklar ist, wer die Gruppe trägt. Dass Treffen einfach ausfallen könnten, wenn niemand da ist.
Das ist verständlich – und es war unser Fehler, das nicht von Anfang an klarer zu sagen.
Die Wahrheit ist: Hinter der Gruppe steht ein fester Ansprechpartner. Wir nennen diese Rolle bewusst „Initiator der Selbsthilfegruppe" – denn genau das ist es: jemand, der einen geschützten Raum zum Austausch und zur gegenseitigen Unterstützung ins Leben gerufen hat und erhält. Als Mitglied unseres Vereins sorgt der Initiator dafür, dass alles organisiert ist, damit die Treffen stattfinden können – verlässlich, strukturiert und mit einem klaren Rahmen. Wer Fragen hat, vor dem ersten Besuch unsicher ist oder einfach wissen möchte was ihn erwartet, kann sich jederzeit an ihn wenden.
Was es nicht gibt: eine Person, die über der Gruppe steht. Alle sitzen gleichberechtigt am selben Tisch – auch der Initiator.
Und wenn der Initiator mal nicht kann? Die Treffen finden trotzdem statt. Wir versuchen sicherzustellen, dass in diesem Fall ein anderes Mitglied unseres Vereins vor Ort ist. Termine absagen ist unser allerletztes Mittel – denn der Bedarf ist zu groß, als dass wir einfach eine Tür schließen. Außer zwischen Weihnachten und Neujahr sind wir das gesamte Jahr vor Ort – auch in den Schulferien.
Viele Selbsthilfegruppen finden in Bistros, Cafés oder Gemeinschaftsräumen statt, die für neurodivergente Menschen eine echte Herausforderung sein können – laute Hintergrundmusik, grelles Licht, Stimmengewirr von allen Seiten. Wer bereits mit Reizüberflutung zu kämpfen hat, gibt dort Energie aus, bevor das erste Wort gesprochen wurde.
Wir haben das bewusst anders gemacht. Unsere Treffen finden in speziell gestalteten, reizarmen Räumlichkeiten statt, die den sensorischen Bedürfnissen neurodivergenter Menschen entsprechen:
Solche Umgebungen können umweltbedingte Barrieren messbar abbauen und eine selbstbestimmte Teilhabe fördern. Nicht wenige Teilnehmende berichten, dass sie sich hier zum ersten Mal in einer Gruppensituation wirklich wohlfühlen konnten.
Selbsthilfe bedeutet für uns auch, dass wir zuhören und uns weiterentwickeln. Viele der Änderungen hier sind direkt durch Feedback aus der Community entstanden. Damit das für alle nachvollziehbar bleibt, dokumentieren wir hier was sich wann geändert hat – und warum.
Verlässlichkeit statt Chaos: Wir treffen uns jetzt alle zwei Wochen
Vorher fand die Gruppe am 1. und 3. Freitag im Monat statt. Das hat in der Praxis zu Verwirrung geführt, je nach Monat lagen die Termine mal näher, mal weiter auseinander, was sich unregelmäßig angefühlt hat. Seitdem treffen wir uns verlässlich alle zwei Wochen – immer in den ungeraden Kalenderwochen.
Seit September 2025 läuft die Anmeldung über unser digitales Kalendersystem – unkompliziert, transparent und mit voller Kontrolle für alle Teilnehmenden. Kein Hin- und Herschreiben per E-Mail, kein Rätselraten ob noch Platz ist. Alle Details dazu findest du hier: Einfach anmelden: Unsere neue Terminbuchung ganz unkompliziert!
Mehr Platz, mehr Schutz, mehr Klarheit
Bessere Kommunikation in der Gruppe und nach außen
Wir führen ab den 13.03.2026 etwas Neues ein, das wir uns lange gewünscht haben: ein visuelles Gesprächssystem auf Basis des Ampelprinzips.
Ampelsysteme sind in der Autismus-Fachwelt weit verbreitet – sie sind intuitiv, eindeutig und brauchen keine Worte. Für viele neurodivergente Menschen ist nonverbales Signalisieren deutlich leichter als verbales Unterbrechen. Den richtigen Moment zu finden, um das Wort zu ergreifen, kostet enorm viel soziale Energie. Eine Tischkarte drehen dagegen ist klar, eindeutig - und braucht keine sozialen Verhandlungen.
Ursprünglich war das System mit farbigen Bällen geplant. Bälle haben sich jedoch als unpraktisch erwiesen: Sie rollen, liegen nicht auf der Stelle, und es war schwierig, ausreichend Bälle in allen Ampelfarben zu bekommen. Die TimeTEX Ampel-Tischkarten lösen genau diese Probleme: dreieckige Aufsteller aus laminiertem Karton, die stabil auf dem Tisch stehen und sich einfach drehen lassen. Jede Karte zeigt alle drei Ampelfarben, kleine farbige Punkte mit Pfeilen zeigen an, in welche Richtung man drehen muss, damit die gewünschte Farbe sichtbar ist. Das macht das System auch für Menschen zugänglich, die in aufregenden Momenten nicht lange nachdenken möchten. Ursprünglich für Schulklassen entwickelt, passt das Prinzip des lautlosen Signalisierens ohne den Fluss zu unterbrechen hervorragend zu unserer Gruppe. Für Menschen mit ADHS oder Autismus bedeutet das konkret: kein Abwägen von sozialen Signalen, kein Timing-Stress, keine Frage ob der eigene Impuls gerade passt. Die Karte übernimmt die Kommunikation, verlässlich, sichtbar und regelbasiert.
Auf dem Tisch liegen 3-5 Ampel-Tischkarten verteilt – für alle greifbar. So läuft es ab:
Kein Aufzeigen. Kein Warten auf den richtigen Moment. Kein soziales Rätselraten.
Ein Gesprächssystem, das speziell für Selbsthilfegruppen mit ADHS und Autismus entwickelt wurde, existiert bisher kaum. Wir wissen aus Erfahrung, was es bedeutet, etwas zu entwickeln, das es so noch nicht gibt. Deshalb möchten wir euch an diesem Prozess teilhaben lassen – und hoffen, dass dieses System auch anderen Selbsthilfegruppen zugutekommen kann.
Wir haben das Gesprächskonzept bereits anderen Selbsthilfegruppen vorgestellt, in Gruppen außerhalb von ADHS und Autismus Themen. Dort hat es großen Zuspruch bekommen. Wir glauben, dass nonverbale Kommunikationssysteme in vielen Gruppenformaten einen echten Unterschied machen kann. Wir testen das ab dem 13.03.2026 und freuen uns auf euer Feedback dazu.
Die Gruppe findet offiziell von 15:15 bis 16:50 Uhr statt. Der Raum steht uns jedoch von 15:00 bis 17:00 Uhr zur Verfügung – so kannst du in Ruhe ankommen und ohne Druck gehen.
Wir nutzen selbst den ÖPNV und wissen aus Erfahrung: Züge fallen aus, Busse haben Verspätung. Wenn du später kommst, ist das kein Problem. Wir bitten dich nur: Wenn es später wird, gib uns direkt über unser Anmeldesystem im Termineintrag kurz Bescheid. So können wir besser planen und du musst dir keine Gedanken machen.
Wir treffen uns freitags alle 14 Tage (ungeraden Kalenderwoche) im Haus der Begegnungen in Bad Vilbel.
Alles anzeigenFalls du dich z.B. wegen des ÖPNVs verspätest, gib uns kurz über das Anmeldesystem Bescheid – das ist kein Problem.
15:00 – 15:15 Uhr | Ankommen (Gleitzeit)
Der Raum ist offen. Kein Druck, sofort zu reden. Einfach ankommen.15:15 – 15:20 Uhr | Organisatorische Anliegen
15:20 – 15:30 Uhr | Kurze Vorstellungsrunde (90 Sek. pro Person)
Wenn alle da sind, starten wir mit einer kurzen Runde – immer nach demselben Muster, damit die Struktur vertraut bleibt:
- Wie möchtest du genannt werden?
- In welchem Spektrum bist du zuhause?
- Welches Thema hast du heute mitgebracht?
Kurz und knackig. Wer sich schwer damit tut, vor einer Gruppe zu sprechen, muss das nicht – ein kurzer Hinweis vorab genügt, und wir nehmen darauf Rücksicht.
15:30 – 15:35 Uhr | Themensammlung und Priorisierung der Themen
15:35 – 16:40 Uhr | Gemeinsamer Austausch
- Pro Thema wird vorab ein fester Timer gestellt (z. B. 15 Minuten), abhängig von der Anzahl der Themen.
- Nach Ablauf entscheidet die Gruppe per Handzeichen: verlängern (z. B. 5 Minuten) oder weiter zum nächsten Thema.
16:40 – 16:50 Uhr | Abschlussrunde
Die Abschlussrunde hat drei Aufgaben:
- Kurze Zusammenfassung – Welche Themen wurden angeschnitten, die sich zum Vertiefen lohnen? So geht niemand nach Hause ohne einen roten Faden.
- Organisatorisches – Gibt es etwas, das alle wissen sollten? Nächste Termine, Änderungen, Hinweise zur Gruppe – alles was den Rahmen betrifft, findet hier seinen Platz.
- Offenes Feedback – Ohne Zwang, ohne Druck: Was hat dir heute gut gefallen? Was hat dir nicht gefallen? Beides ist willkommen. Wir nehmen Feedback sehr ernst und versuchen, es wenn möglich bis zum nächsten Termin umzusetzen. Denn die Gruppe gehört allen – und sie soll sich auch so anfühlen. Wer möchte, kann auch gerne ein anonymes Feedback vor Ort ausfüllen.
16:50 – 17:00 Uhr | Ausklingen (Gleitzeit)
Der offizielle Teil ist vorbei – wer möchte, kann den Termin in Ruhe ausklingen lassen, bevor es nach Hause geht.
Alles anzeigenSeit dem 11.09.2026 führen wir in unseren Gruppen neue Gruppenregeln, einen neuen Ablaufplan und eine neue Rollenverteilung ein. Die Rollenverteilung ist dabei eine komplett neue Funktion. Wir sind auf dein Feedback angewiesen und bitten um etwas Geduld, während wir das System gemeinsam mit euch verbessern.
Bei uns gibt es keine klassische Leitung, wie du sie von der Arbeit oder aus der Schule kennst. Niemand steht vorne. Niemand bewertet dich. Niemand entscheidet allein, worüber gesprochen wird.
Stattdessen gibt es Rollen. Sie teilen Aufgaben auf, die sonst eine einzelne Person tragen müsste. Die Rollen wurden bewusst klein und einfach gehalten, damit sie dich nicht überfordern.
Die Bezeichnungen der Rollen sind bewusst wörtlich gewählt: Der Zeitwächter wacht über die Zeit, der Kommunikationswächter wacht über die Kommunikation und die Einhaltung der Regeln. Der Name beschreibt direkt, was die Rolle tut – ohne Interpretationsspielraum.
Diese Rollen kannst du freiwillig übernehmen
Du entscheidest selbst, ob und wann du eine dieser Rollen übernimmst. Du kannst dich für ein einzelnes Treffen entscheiden oder die Rolle über einen längeren Zeitraum behalten. Niemand muss eine Rolle übernehmen.
Zeitwächter
Der Zeitwächter behält den zeitlichen Rahmen des Treffens im Blick. Er sorgt dafür, dass für jedes Thema die vereinbarte Zeit eingehalten wird und alle die Möglichkeit haben, zu Wort zu kommen.
Dabei kommen zwei Uhren zum Einsatz: Die Ampeluhr zeigt den Zeitrahmen für das gesamte Treffen, der digitale Timer die Zeit für den aktuellen Themenblock oder die Vorstellungsrunde.
ZitatVergleich aus dem Schwimmsport: Bei einem Schwimmwettkampf gibt es einen Zeitnehmer. Er stellt die Stoppuhr, misst die Zeit jedes Schwimmers und sagt sie klar an. Genau diese Funktion hat der Zeitwächter beim Treffen: Er stellt den Timer für jeden Themenblock und sagt an, wie viel Zeit noch bleibt und wann sie abgelaufen ist.
Aufgaben:
- die Ampeluhr für den gesamten Ablauf des Treffens im Blick behalten
- den digitalen Timer für jeden Themenblock stellen
- bei der Vorstellungsrunde den Timer für jede Person neu stellen
- ansagen, wie viel Zeit noch bleibt (z.B. zwei Minuten vor Ablauf ansagen: "Noch zwei Minuten" )
- wenn die Zeit abgelaufen ist, ansagen: "Die Zeit ist um"
Wichtig: Hält sich jemand nicht an die vereinbarte Zeit, musst du das nicht allein klären: Der Gruppenorganisator oder der Kommunikationswächter greift dann ein und kümmert sich um das Anliegen.
Kommunikationswächter
Der Kommunikationswächter behält die Themen des Treffens im Überblick, sorgt für die Einhaltung der Gruppenregeln und begleitet die Gruppe durch die Themenauswahl.
ZitatVergleich aus dem Berufsleben: Stell dir ein Meeting vor, in dem eine Person die Tagesordnung führt. Sie schreibt zu Beginn auf, welche Punkte besprochen werden sollen, achtet darauf, dass jeder Punkt in der vorgesehenen Zeit bleibt, und sorgt dafür, dass sich alle an die Gesprächsregeln halten – zum Beispiel, dass niemand unterbrochen wird. Genau diese Funktion hat der Kommunikationswächter in der Gruppe.
Aufgaben:
- vor dem Treffen die Gruppenregeln im Raum auslegen
- neuen Teilnehmern die Gruppenregeln geben und für Rückfragen zur Verfügung stehen
- die in der Vorstellungsrunde genannten Themen auf dem Hand-out notieren
- den Überblick behalten, welches Thema schon besprochen wurde und wie viel Zeit dafür vorgesehen ist
- mit der Gruppe festlegen, welche Themen heute besprochen werden und wie viel Zeit sie bekommen – bei Bedarf per Abstimmung
- nach Ablauf der Zeit die Gruppe per Handzeichen entscheiden lassen: verlängern oder zum nächsten Thema übergehen
- darauf achten, dass die Regeln zu den Ampelkarten auf den Tisch eingehalten werden
- darauf achten, dass die Kommunikation gewaltfrei bleibt und die Gruppenregeln eingehalten werden
- darauf achten, dass Teilnehmer ihre Redezeit einhalten
- den Zeitwächter unterstützen, wenn Redezeiten nicht eingehalten werden
Wichtig: Reicht dein Eingreifen nicht aus, übernimmt der Gruppenorganisator.
Diese Rolle ist fest vergeben
Diese Rolle liegt immer bei einer Person aus dem Vorstand oder dem Verein.
Gruppenorganisator
ZitatVergleich aus dem Schwimmbad: Der Bademeister sorgt dafür, dass das Schwimmbad öffnet, dass alles vorbereitet ist und dass neue Besucher wissen, wo sie sich umziehen können und welche Regeln gelten. Was im Wasser passiert – wer mit wem schwimmt, worüber sich alle unterhalten – bestimmt der Bademeister nicht. Genau diese Funktion hat der Gruppenorganisator beim Treffen: Er sorgt für den Rahmen und ist Ansprechpartner, bestimmt aber nicht, worüber gesprochen wird.
Aufgaben:
- dafür sorgen, dass Termine regelmäßig und im nötigen Umfang stattfinden
- vor deinem ersten Besuch Fragen beantworten
- während und nach dem Treffen ansprechbar sein
- Fragen zum Verein oder zu anderen Präsenz-Angeboten beantworten
- auf Wunsch der Gruppe festhalten, was vereinbart wurde, und es in der Abschlussrunde vorlesen
- Rollen übernehmen, die bei einem Treffen niemand freiwillig ausfüllt
Die Rolle ist bei jedem Treffen besetzt.
Du bist mit keiner Rolle allein
Der Gruppenorganisator erklärt dir die Rolle vor dem Treffen, so ausführlich wie du möchtest. Er sitzt während des Treffens mit am Tisch. Wenn du nicht weiterweißt, fragst du ihn.
Hinweis: Wenn dir die Rolle zu viel wird, gib dem Gruppenorganisator einen Hinweis. Er übernimmt die Rolle dann direkt weiter.
Wichtig: Alles, was du brauchst, liegt vor Ort bereit: Board, Stifte, Ampeluhr, digitaler Timer, Hand-out, Ablaufplan und Gruppenregeln.
Musst du eine Rolle übernehmen?
Nein. Keine Rolle ist Pflicht. Du kannst über Jahre zu den Treffen kommen, ohne jemals eine zu übernehmen.
Trotz der unterschiedlichen Rollen steht niemand über der Gruppe. Die Kommunikation findet auf Augenhöhe statt.
Alles anzeigenTeilnahme
Ohne Anmeldung keine Teilnahme.
Eine Teilnahme ist nur mit vorheriger Anmeldung möglich. So wissen wir, mit wie vielen Menschen wir planen können.In Bad Vilbel gibt es eine Ausnahme: Wer vor der offiziellen Zeit vorbeikommt, kann unter Umständen dazukommen – wenn Platz ist und es zur Gruppe passt. Das entscheiden wir vor Ort im Einzelfall. Voraussetzung ist ein Account auf unserer Website.
Vertraulichkeit
Was hier gesagt wird, bleibt hier.
Alles, was in der Gruppe geteilt wird, bleibt vertraulich. Was du hier erzählst, verlässt den Raum nicht – weder in der Gruppe noch danach.Keine Aufnahmen.
Fotos, Ton- oder Videoaufnahmen sind in der Gruppe nicht erlaubt. Das schützt alle.Wie wir miteinander reden
Zuhören ohne zu bewerten.
Hier gibt es kein Richtig oder Falsch, jede Erfahrung ist gültig. Wir geben keine ungebetenen Ratschläge und stellen keine Fremddiagnosen. Damit meinen wir Sätze wie diese:
- „Kopf hoch, das wird schon." – Floskeln, die verharmlosen und an der Oberfläche bleiben
- „Das hat doch heute jeder." – Erfahrungen kleinreden
- „Du wirkst aber gar nicht autistisch." – Einordnung von außen
- „Du musst dich einfach mehr zusammenreißen." – Schuld beim Gegenüber abladen
Wer einen Rat möchte, fragt danach – dann gerne.
Selbstdiagnosen werden nicht infrage gestellt.
Wer sich selbst einordnet, muss sich hier nicht rechtfertigen. Eine Diagnose ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.Niemand muss etwas sagen.
Zuhören reicht. Wer heute nichts beitragen möchte, ist trotzdem vollwertig dabei.Direkte Kommunikation ist willkommen.
Viele neurodivergente Menschen kommunizieren direkt, präzise und wortwörtlich – das ist kein Mangel, sondern eine andere Art zu sprechen. Wir begegnen einander mit dem Verständnis, dass Kommunikationsstile sich unterscheiden, und interpretieren direkte Aussagen nicht als Angriff.Wir sprechen für uns selbst.
„Ich finde …" statt „Man sollte …". Jede und jeder spricht aus der eigenen Erfahrung.Wir lassen einander ausreden.
Und wenn doch mal jemand dazwischenredet, ist das kein Drama – die Moderation (Kommunikationswächter) sortiert.Ampelkarten.
Für die Verständigung nutzen wir Tischkarten in drei Farben. So muss niemand dazwischenreden oder auf eine Lücke warten:
- 🟢 Grün – Diese Person hat gerade das Wort
- 🟡 Gelb – Ich möchte etwas zum aktuellen Thema sagen oder nachfragen
- 🔴 Rot – Dringendes Anliegen: Pause, Notfall, kurze Unterbrechung
Gewaltfreie und respektvolle Kommunikation.
In unserer Gruppe ist kein Platz für verbale Angriffe, Beleidigungen, persönliche Schuldzuweisungen, Bloßstellungen oder aggressive Grenzüberschreitungen. Wir bewerten, verurteilen und kritisieren die Erfahrungen und Gefühle anderer Mitglieder nicht. Jedes Mitglied hat das Recht, sich in diesem Raum sicher zu fühlen.Für dich selbst sorgen
Pausen sind erlaubt – immer.
Wer rausgehen muss, eine Pause braucht oder kurz den Kopf frei bekommen will, darf das jederzeit – ohne Erklärung und ohne Bescheid zu sagen.Handys auf lautlos.
Am besten gar nicht nutzen, damit der Austausch ungestört bleibt.Worüber wir sprechen
Wissenschaftlich widerlegte Aussagen haben hier keinen Platz.
Aussagen wie „Autismus ist heilbar" oder ähnliche Fehlinformationen werden in der Gruppe nicht geteilt. Wir orientieren uns am aktuellen Stand der Wissenschaft – aus Respekt gegenüber allen Anwesenden.Persönliche Erfahrungen ja – kommerzielle Absichten nein.
Wer aus eigener Erfahrung über Produkte oder Dienstleistungen berichten möchte, darf das gerne tun – solange kein persönlicher Vorteil dahintersteht, also weder Provision noch Rabatte oder andere Gegenleistungen. Das gilt nicht für Themen, die Betroffenen schaden könnten oder von der Wissenschaft als Fehlinformation eingestuft wurden.Was wir verhindern möchten, sind Angebote mit kommerziellem Hintergrund – darunter Coaching, Unternehmen, Heilpraktiker, Pharmaunternehmen oder irreführende Heilversprechen. Wer Produkte oder Dienstleistungen mit kommerziellem Hintergrund vorstellen möchte, benötigt dafür die ausdrückliche Genehmigung und vorherige Prüfung durch den Verein.
Kommt es zu einer Genehmigung, teilen wir das vorab öffentlich und direkt in der Gruppe mit. Bei einem solchen Termin ist mindestens eine Person aus dem Vorstand anwesend. Die Gruppe hat das Recht, im Rahmen dieser Vorabmitteilung ein Veto einzulegen, und ist damit die letzte Instanz. Entscheidet die Gruppe dagegen, wird diese Entscheidung respektiert.
Produkte und Angebote des Vereins sowie langjährige Partnerschaften sind davon ausgenommen. Diese Partnerschaften entstehen, weil wir von den Produkten überzeugt sind und sie selbst im Alltag nutzen, nicht aufgrund finanzieller Gegenleistungen. Alle Partnerschaften sind transparent auf unserer Website einsehbar.
Was wir nicht leisten können
Die Gruppe ist Selbsthilfe – sie ersetzt keine Therapie, keine Diagnostik und keinen Notfalldienst. Für persönliche Anliegen ist unsere Beratungsstelle da. Wer sich in einer akuten Krise befindet, wendet sich bitte an ärztliche oder therapeutische Hilfe.
Wenn Regeln verletzt werden
Schutz des sicheren Raums und Konsequenzen.
Die Selbsthilfegruppe ist ein geschützter Raum. Wer andere Mitglieder verbal angreift oder bedroht, verletzt die Grundregeln unserer Gemeinschaft. Bei Missachtung erfolgt eine direkte Unterbrechung durch die Moderation (Kommunikationswächter) oder die Gruppe. Bei wiederholten verbalen Übergriffen behält sich die Gruppe vor, die Person temporär oder dauerhaft vom Besuch der Treffen auszuschließen.
Dieses Angebot gibt es, um die Gruppengespräche möglichst wenig zu unterbrechen und allen Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, sich im eigenen Tempo zu vertiefen.Viele Themen, die in der Gruppe nur angeschnitten werden, werden auf der Website in ausführlichen Artikeln behandelt, sodass Interessierte sich dort detailliert informieren können.Nach jedem Termin gibt es eine kurze Zusammenfassung mit Links zu den Themen, die wir besprochen haben. Es handelt sich dabei nicht um eine inhaltliche Zusammenfassung oder Mitschrift, sondern um eine Orientierung, die es ermöglicht, sich bei Bedarf auf unserer Plattform zu den jeweiligen Themen zu vertiefen.Die Zusammenfassung ist im geschlossenen Forum‑Bereich der Selbsthilfegruppe Bad Vilbel zugänglich. Der Zugriff erfolgt nur für Teilnehmer der Beratungsstelle und der Selbsthilfegruppe in Bad Vilbel – und erst nach der Teilnahme durch das Team. So bleibt die Gruppe ein geschützter Raum, in dem keine Inhalte an die Öffentlichkeit gelangen.
Alles anzeigenMenschen, die Interesse an einem langfristigen gemeinsamen Austausch mit anderen Teilnehmenden haben.
Da Wartezeiten auf eine Diagnose bis zu vier Jahre betragen können, soll niemand so lange auf Unterstützung warten müssen.
Als Teilnehmende der Selbsthilfegruppe verstehen wir folgende Zielgruppen:
- ADHS
- Autismus
- ADHS & Autismus
- Noch im Diagnoseprozess oder unsicher, ob eine der oben genannten Diagnosen zutrifft
- Menschen mit Bezug zu den oben genannten Punkten – zum Beispiel Elternteil, Arbeitgeber, Fachkraft oder Angehörige
Natürlich darf in unserer Gruppe auch über Medikamente, Diagnosen oder Anlaufstellen gesprochen werden – das gehört zum Alltag mit ADHS und Autismus dazu. Der Unterschied liegt nicht im Thema, sondern in der Haltung.
Wenn du noch unsicher bist, kannst du auch gerne zuerst die Beratungsstelle besuchen oder uns direkt kontaktieren – bevor du das erste Mal zur Gruppe kommst.
Spielt der Schweregrad meiner Symptome eine Rolle?
Absolut nicht! Egal, ob deine ADHS- oder Autismus-Symptome stark ausgeprägt sind oder eher subtil – bei uns bist du willkommen. Wir glauben daran, dass jede Erfahrung wertvoll ist und dass wir voneinander lernen können, unabhängig davon, wie stark die Diagnose im Alltag spürbar ist.
Wichtig: Wir sind eine Selbsthilfegruppe – keine Informationsgruppe. Wer regelmäßigen, tiefergehenden Austausch sucht, ist bei uns richtig – wer einmalig Informationen sucht und kein Interesse an einem dauerhaften Austausch hat, ist bei unseren anderen Angeboten besser aufgehoben:
- Informationsgruppe – monatlich, für alle, die Fragen mitbringen
- Adressverzeichnis – Anlaufstellen in der Region
- Medikamentenliste – Übersicht geeigneter Medikamente bei ADHS
- Digitale Selbsthilfegruppe – jederzeit erreichbar, ohne Anreise
- Beratungsstelle – persönlich und online, für individuelle Fragen
Denn wenn sich neurodivergente Menschen die Mühe machen und alles auf sich nehmen, um live, real und in Person zu einem Treffen zu kommen, dann soll da echte Tiefe entstehen dürfen.
Uns ist dabei eines wichtig: Wir sind eine Selbsthilfegruppe – kein Informationsabend. Was ist der Unterschied?
Natürlich darf in unserer Gruppe auch über Medikamente, Diagnosen oder Anlaufstellen gesprochen werden – das gehört zum Alltag mit ADHS und Autismus dazu. Der Unterschied liegt nicht im Thema, sondern in der Haltung: Wer nur einmalig Informationen sucht und kein Interesse an einem dauerhaften Austausch hat, ist bei unseren anderen Angeboten besser aufgehoben:
Denn wenn sich neurodivergente Menschen die Mühe machen und alles auf sich nehmen, um live, real und in Person zu einem Treffen zu kommen, dann soll da echte Tiefe entstehen dürfen.
Die Beratungsstelle und Selbsthilfegruppe finden beide in denselben Räumen statt und werden vom ADHS & Autismus Beratungsnetzwerk Wetterau e.V. mit Betroffenen geleitet. Alles aus einem Guss.
Neben den regulären Treffen gibt es gelegentlich gemeinsame Freizeitaktivitäten – zum Wandern, Radfahren oder einfach gemeinsam draußen sein.
Die Kombination aus ADHS und Autismus ist in der Selbsthilfelandschaft bis heute kaum vertreten. Studien zeigen, dass bei 30% bis 80% der Menschen mit Autismus gleichzeitig eine ADHS vorliegt – und dennoch gibt es kaum Anlaufstellen, die genau diese Kombination in den Mittelpunkt stellen.
Die Kombination aus ADHS und Autismus ist in der Selbsthilfelandschaft bis heute kaum vertreten. Studien zeigen, dass bei 30% bis 80% der Menschen mit Autismus gleichzeitig eine ADHS vorliegt – und dennoch gibt es kaum Anlaufstellen, die genau diese Kombination in den Mittelpunkt stellen.
Als wir 2022 begannen, ADHS und Autismus zusammen zu denken, gab es kaum vergleichbare Angebote in Deutschland. 2025 folgte der nächste Schritt: Gründung eines eigenen Vereins und einer lokalen Selbsthilfegruppe – weil der Bedarf auch vor Ort gedeckt werden muss. Inzwischen beobachten wir über unser Adressverzeichnis, dass immer mehr Gruppen mit diesem Fokus entstehen. Was die Gruppe dabei besonders macht: Sie wird von einem Verein getragen, nicht von einer einzelnen Person – das gibt ihr eine stabile, langfristige Struktur.
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Dieser Beitrag ist die aktualisierte Version unseres ursprünglichen Artikels zur Selbsthilfegruppe. Die ältere Fassung ist für Vereinsmitglieder im Archiv einsehbar.
Über den ADHS & Autismus Beratungsnetzwerk Wetterau e.V.
Was 2018 mit einem kleinem ADHS-Forum begann, hat sich kontinuierlich zu einem umfangreichen Forum entwickelt. Ab 2021 rückten wir Autismus näher in den Fokus. In diesem Jahr waren wir ein Teil des ADHS Deutschland e.V. – ein wichtiger Schritt um mit professionellem Know-How, Netzwerk und Ressourcen zu arbeiten. Bis es 2022 zu einer echten Verschmelzung gekommen ist: Wir sehen ADHS und Autismus zusammen, nicht getrennt – mit explizitem Fokus auf die Doppeldiagnose. Damit waren wir die erste Plattform überhaupt mit diesem Fokus. 2025 expandierten wir lokal: Gründung unseres eigenen Vereins, einer lokalen Selbsthilfegruppe und einer Beratungsstelle in Bad Vilbel im Wetteraukreis.