ADHS im Erwachsenenalter: Von der Diagnose zu ersten Therapieschritten - Vorgehen in der eigenen Praxis
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jdreher57 -
18. Januar 2026 um 21:05 -
- ADHS
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4 Minuten
Lese Teil 7 des Artikels Anleitung zur Diagnostik und erste Therapieschritte - ADHS im Erwachsenenalter von Jörg Dreher
Von der Diagnose zu ersten Therapieschritten - Vorgehen in der eigenen Praxis
Generell sollte man schon vor der Diagnostik ADHS erklären, damit die Patienten erst einmal zwei Wochen Zeit zur Selbstbeobachtung haben, in denen sie dann eventuell erstaunt feststellen, dass ihre Füße und Hände ständig herumzappelten.
In den ersten drei bis vier Stunden sollten alle relevanten Diagnosen, also nicht nur in Bezug auf ADHS, gestellt werden. Diese werden dann dem Patienten in der Individuellen Patienteninformation zur ambu- lanten Psychotherapeutischen Sprechstunde (PTV 11)85 mitgeteilt. Der Psychiater oder Hausarzt wird in einem Abschlußbrief über die Diagnosen aufgeklärt und eine Therapie mit Stimulanzien kann empfohlen werden. Befunde und Testresultate sollten dem Brief an den Facharzt in Kurzform als Kopie beigelegt werden.86
Ich erkläre meinen Patienten bei der Aufnahme der biografischen Anamnese immer, was ich im Diagnoseprozess gerade tue. Dieses „laute Denken“ führt dazu, dass ich den Patienten „mitnehme“, denn seine eigene Diagnose ist noch wichtiger als diejenige des Experten. Ich stelle eine Pro- und Contra-Liste auf und zeige ihm, was in die ADHS-Diagnose passt und was dagegen spricht. Gerade nicht passende Symptome sind dabei sehr wichtig, weil diese die Glaubwürdigkeit des Diagnoseverfahrens erhöhen und mögliche Einwände ausräumen helfen. Am Schluss sitze ich dann mit dem Patienten vor diesem Diagnose-Puzzle und erkläre ihm, dass wir 70 % passende Teile gefunden haben, 20 % der Teile nicht zu ermitteln sind (z. B. aus der Kindheit) und 10 % nicht zu der ADHS-Diagnose passen. Untypisch wäre zum Beispiel, wenn der Patient keinerlei Einschlafstörungen hätte, denn viele ADHSler brauchen 0,5 - 2 Stunden, bis sie eingeschlafen sind. Es gibt aber auch ADHS-Betroffene, die diese typischen Einschlafprobleme nicht haben. Wie Sie wissen, findet man nie alle Puzzleteile und einige passen auch nicht. Aber „Neuschwanstein“ muss erkennbar werden.
Es ist wichtig, dem Patienten Zeit zu lassen und die eigene Einschätzung etwas zurückzuhalten, damit er genügend Zeit bekommt, selbst zu merken, dass er viele Anteile hat, die für diese Störung sprechen. Dazu kommt, dass ADHSler entscheidungsschwach sind und immer an allem „herumzweifeln“. So versteht bzw. akzeptiert der Betroffene häufig die eigene Diagnose über eine lange Zeit in der Therapie nicht, manchmal sogar dann noch nicht, wenn er schon ein halbes Jahr lang Ritalin nimmt und eine Besserung spürbar von allen wahrgenommen wird - außer dem Patienten selbst. Deshalb sollte man bei der Einschätzung des Therapieerfolges immer auch die Angehörigen mit befragen. Selbst eine erfolgreiche Medikation wird manchmal abgesetzt oder verändert, wenn der Betroffene selbst die Wirkung nicht wahrnimmt. So landet er dann in einer Unterdosierung, obwohl er schon die optimale Dosiseinstellung hatte, die meistens von der Überdosierung minimal entfernt ist. Der schwer betroffene ADHSler „kann alles vergessen“, selbst eine frühere erfolgreiche Therapie. Ich fordere meine Patienten immer wieder dazu auf, mir zu sagen, wie hoch die Glaubwürdigkeit der ADHS-Diagnose in Prozent ist. Ich höre mir ihre Argumente an und entkräfte diese, auch kritische Einwände von Angehörigen muss man ernst nehmen. Eine „Glaubwürdigkeitskrise“ ist immer möglich, insbesondere wenn die erste Einstellung auf ein Medikament (Präparat oder Dosierung) nicht gleich ein durchschlagender Erfolg ist. Hier kann eine Ritalin-Pause manchmal Wunder bewirken, wenn die Wirkung ausbleibt und man wieder „verschusselt“ und „verpeilt“ durchs Leben eilt.
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