Beiträge von Missy im Thema „ADHS bei Frauen | ADHS bei Frauen erkennen und verstehen? | Jean-Maurice Cecilia-Menzel“
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Aber hätte es diese "Suchtkarriere" überhaupt gegeben bei einer frühzeitigen Diagnose?
Ich war nie süchtig, ich kann es also nicht nachvollziehen. Aber ich habe nicht aufgepasst, konnte nie lange zuhören, ob in der Schule, an der Uni oder später in Meetings und Seminaren. In Betriebsversammlungen habe ich Anderen zwei Stunden dabei zugeschaut, wie sie still auf ihren Stühlen saßen und konzentriert zuhörten, während ich kaum mal eine Minute ruhig sitzen konnte. Es sei denn, ein Thema war wahnsinnig interessant. Statt auf den Bildschirm zu schauen, habe ich mich zum Fenster hinaus geträumt. ich hatte einen solchen Ärger wegen meiner Unfähigkeit, mich zu konzentrieren...
Ja, und dann meine "mangelnde Impulskontrolle"... Heute weiß ich nur zu gut, was Mobbing ist.Klar, ich habe auch FreundInnen gewonnen, weil ich so bin, wie ich bin. Das gebe ich zu. Und so bin ich gerade dabei, Frieden zu schließen - mit mir, meiner Vergangenheit und meinem ADHS

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Wir hätte also beide, in gewisser Weise, wenn auch auf unterschiedlichen Kursen, beinahe unser Leben an die Wand gefahren, weil keiner gemerkt hat, dass wir Hilfe brauchen. Genau das ist, was mich umtreibt und zornig macht. Welche Folgen es für Betroffene haben kann, wenn ADHS nicht oder spät erkannt wird, scheint sich noch nicht ausreichend herumgesprochen zu haben

Im übrigen bin ich überhaupt nicht davon überzeugt, dass Mädchen und Jungen bzw. Frauen und Männer so unterschiedlich sind. Mädchen bringt man nur beizeiten bei, gefälligst brav zu sein und sich zu benehmen

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Ich war als Kind beides: unaufmerksam und eine zappelige Nervensäge, die Bleistifte zerkaut und ihre Mutter zur Verzweiflung gebracht hat. Später, als Erwachsene, habe ich Wege gefunden, meine Unruhe zu kanalisieren: ich bin, mehr oder weniger konsequent, auf meinem Stuhl herumgerutscht oder war immer wieder in der Kaffeeküche oder im Haus unterwegs. Zum Ausgleich hatte ich wenig Scheu, KollegInnen und Vorgesetzten unverblümt meine Meinung zu sagen, und musste selbstverständlich auch die Folgen tragen. Bevor ich irgendetwas hätte stoppen können, war es ausgesprochen. Und nicht jeder war begeistert. Ich wurde unter Druck gesetzt und schikaniert, Aufgaben, die ich gut und gerne erledigt habe, wurden mir regelrecht aus den Händen gewunden.
Die Folge waren, zum Teil schwere, Depressionen, und ich war immer wieder krank geschrieben. Hinzu kamen mehrere Bandscheibenvorfälle, die wiederum die Depressionen wunderbar ergänzten. Keine Freude an nichts, aber ständige Schmerzen. Jahrelang war ich deshalb in Therapie, aber niemand hatte jemals den Verdacht, mein Problem könnte ADHS sein. Hätte ich an der Uni keine Freundin mit einer betroffenen Tochter gehabt, wäre auch ich selbst vermutlich nie auf den Gedanken gekommen, mich testen zu lassen.
Ich frage mich deshalb, ob es uns viel weiter bringt, nur zu reden und den Frauen zu überlassen, sich Hilfe zu suchen
Meine Therapeutin jedenfalls hat den weißen Elefanten im Raum nicht gesehen.
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